Einmal um den Globus #1

Einmal um den Globus #1

Es wird nie mehr so, wie es war

von Natascha Koller

In den Beiträgen „Einmal um den Globus“ berichte ich von meiner Weltreise und den Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe und die mein weiteres Leben bis hin zur Gründung von Große Helden. Kleine Helden inspiriert haben.

Auf und davon

Vor vielen Jahren hatte ich eine wirklich große Lebenskrise aufgrund einer Verlusterfahrung. Ich beschloss, alles hinter mir zu lassen und packte meinen Rucksack. Ich ließ meine Karriere sausen und zog zwei Jahre lang durch die Welt. Nicht jeder hatte Verständnis dafür, und auch ich selbst verstand mich zuweilen selbst nicht mehr. Aber dadurch zeigte sich das Leben von einer ganz neuen Seite, eine Erfahrung, die ich niemals missen möchte. Und in dem Fall stimme ich der Aussage „Krisen sind Chancen“ tatsächlich zu, auch wenn ich selbst zugegebenermaßen damals diesen Begriff sicherlich nicht hätte hören wollen.

Wenn man sich für eine große und sehr lange Reise entscheidet, dann kann das natürlich viele Gründe haben. Meist ist es aber einfach nur so, dass einem eine große Sehnsucht nach Abenteuer und Freiheit packt und man sich in Aussicht stellt, dass das Leben irgendwo da draußen in der weiten Welt sicher schöner, besser oder aufregender ist, als es zuhause gerade erscheint. Zumindest traf das mit Sicherheit auf mich damals zu. Und wie Sie sich jetzt auch sicherlich schon denken können, paart sich diese Vorstellung auch mit einer großen Portion Naivität. Ja, und auch da stimme ich Ihnen zu 100 Prozent zu. Fakt ist aber auch, dass man vieles im Leben ja gar nicht machen würde, wenn nicht auch ein Quäntchen Naivität mitspielen würde. Oder sind Sie da vielleicht ganz anderer Meinung als ich? Aus meiner Sicht dient jede Erfahrung im Leben dazu, dass wir Naivität verlieren, Illusionen sich auflösen und sich Klarheit oder vielleicht auch ein Stück Nüchternheit einstellen. Dieser Gedanke klingt nicht gerade inspirierend, aber warten Sie es ab und lesen Sie doch einfach weiter …

Vom Auf- und Aussteigen

Viele Monate bin ich von einem Ort zum anderen gereist, und alles begann zuerst einmal in Südamerika. Die Welt erschien mir damals sehr, sehr groß. Ich traf auf Menschen aus der ganzen Welt. Wir teilten unsere Erfahrungen, tauschten uns aus und gaben uns gegenseitig praktische Tipps. Ich habe viele Jobs angenommen, um mich über Wasser zu halten und weiterhin auf Reisen zu gehen. Viele hätte ich zuhause sicherlich niemals so durchgeführt, schon gar nicht zu solch schlechten Konditionen, wie sie für Traveller üblich waren. Aber all das schien für uns Reisende nicht wirklich wesentlich zu sein. Wir wollten ja nicht Karriere machen, sondern wir waren Abenteurer. Deswegen war jede dieser Herausforderungen gleichzeitig auch die Bestätigung dafür, dass wir auch wirklich Abenteurer waren.

Ich habe also die Klobürste geschwungen, Teller gewaschen, Zimmer gereinigt, Sandwiches zubereitet, auf einer kleinen Yacht gearbeitet und dort das Holz geschliffen und in der Kajüte gewohnt. Ich habe in Friday Harbor auf einem Segelboot namens "Gypsy" ganz alleine für viele Wochen gelebt und gearbeitet, und meine besten Freunde waren die Robben und Wale. Es war das Boot eines Millionärs, der mir dieses im Gegenzug für meine Arbeit für ein paar Wochen als Bleibe zur Verfügung stellte. Egal wo ich war, es war mir kaum etwas zu blöd. Nach einer Zeit ist es mir sogar gelungen, mich etwas hochzuarbeiten, z. B. vom Kloputzen zum Supervisor und zur Rezeptionistin, um zu guter Letzt alles ganz rasch wieder aufzugeben. Denn der Weg war ja Ziel und nicht die Karriere, der Erfolg, das Geld oder vielleicht gar wieder Fuß zu fassen und sich fest zu verankern.

Zuhause in der Fremde

In diesen zwei Jahren auf Reisen war ich überall eine Fremde, denn es war ja nicht meine Heimat. Aber ehrlich gesagt, fühlte ich mich alles andere als fremd. Im Gegenteil, ich fühlte mich zuhause, zuhause in dieser großen Welt. Das war eine tolle Erfahrung, die ich damals machen durfte. Es gibt viele Episoden zu erzählen, die ich euch im Rahmen der Serien "Einmal um den Globus" berichten werde. Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir wieder so viele Erlebnisse dazu ein und ich bin berührt und fühle mich dankbar für all diese Erfahrungen und für die Menschen, die mir auf meiner Reise begegnet sind. Obwohl das Geld immer knapp war, wurde gerade diese Knappheit zu meiner Chance, weil sie mich zu etwas viel Wesentlicherem führte, nämlich zu mir. Zu einem inneren Reichtum, zu Vertrauen in mich selbst, in meine Fähigkeiten, in Menschen und zum Vertrauen ins Leben. Natürlich ist es eine ganz andere Sache, wenn ich mir diese Situation des Minimalismus selbst aussuche, als wenn eine Familie, ein Mensch ungewollt von Knappheit betroffen ist. Und damals ist mir bewusst geworden, dass Krisen, Geldknappheit oder ähnliches  jeden treffen können. Deshalb ist Menschlichkeit auch der Schlüssel dazu.

Zugegeben, es hätte auch vieles ganz anders kommen können, ich hatte wirklich auch viel Glück, auch in so manch riskanter Situation. Und das ist auch ein wichtiger Punkt, der Punkt der Klarheit, Wachheit, der Präsenz im Leben, denn auch auf einer Reise ist nicht alles Gold was glänzt.

Anders als gedacht

Am Beginn meiner Reise wollte ich etwas anderes erleben. Mich lockten die Indianer am Amazonas, ich wollte eine einfache und ursprüngliche Lebensweise kennenlernen. Ich hatte so viele Vorstellungen und Ideen in meinem Kopf, aber dann kam alles anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte anfänglich ein Reisebudget, das maximal für sechs Monate reichte. Mehr wollte ich von meinen Ersparnissen nicht verwenden, das war der Plan. Alles Weitere musste ich mir verdienen. So wollte ich das. Ein wesentlicher Fakt meiner Reise war auch, dass ich für ein ganzes Jahr keinen Kontakt mit irgendjemand von Zuhause hatte. Es war für mich wie ein Initiationsritus. Ich nenne das heute so, damals wusste ich das aber noch nicht. Es war besonders für meine Mutter die größte Herausforderung. An dieser Stelle möchte ich ihr von Herzen danken, dass sie mit mir diesen Weg mitgegangen ist. Ich wollte und musste es für mich wissen, ob ich es schaffe, ganz alleine auf mich gestellt zu sein, egal wo ich bin, selbst, wenn alle Strick reißen. Ich brauchte diese Erfahrung, auch wenn ich damit den liebsten Menschen in meinem Leben Großes zumutete. Ich schickte mich selbst in die Wüste, um zu schauen, was am Ende dabei herauskommt.

Aber was ist schon eine Abenteuerreise?

Was sucht man eigentlich, wenn man so auf Reisen geht? Ich selbst war am Beginn meiner Reise an einem Tiefpunkt meines Lebens angelangt. Die Reise half mir, mich selbst zu finden. Auch wenn ich heute weiß, dass es nicht notwendig ist, eine solche große Reise zu machen, um sich selbst zu finden, ist meine Geschichte so verlaufen. Daher stimme ich auch rückwirkend meiner Erfahrung von damals so zu.

Und genau dadurch habe ich viel von meiner Naivität und meinen Illusionen über das Reisen und das Leben verloren und eine gewisse Nüchternheit im Leben hat sich eingestellt. Aber genau für diese Nüchternheit bin ich heute sehr dankbar. Ich habe heute nicht mehr die Vorstellung, dass es irgendwo da draußen, besser, schöner oder gerechter ist, oder ich nur sehr reich sein müsste, dann wäre alles gut. Wenn ich heute Traveller mit ihren schweren Rucksäcken durch die Straßen ziehen sehe, dann muss ich schmunzeln und fühle mich, obwohl ich sie gar nicht kenne, mit ihnen sofort verbunden. Aber ich möchte mit keinem von ihnen mehr tauschen, es ist ein hartes Leben. Auch wenn ich immer wieder einmal meinen Rucksack für ein paar Wochen packe, ist es doch eine ganz andere und komfortable Reise, auch wenn es eine Low-Budget-Reise ist.

Immer auf der Durchreise

Eigentlich sind wir ja alle irgendwie ständig auf der Durchreise oder eben auf der Lebensreise. Wir reisen von einem Moment zu dem anderen, da gibt es nichts festzuhalten, auch nicht den wunderbarsten Moment. Aber von Moment zu Moment gestalten wir unser Leben, ob bewusst oder auch unbewusst. Dabei dürfen wir wählen, worauf wir setzen. Und hier möchte ich nicht den falschen Eindruck vermitteln, dass Erfolg und Geld für mich im Leben keine Rolle spielen würden. Doch, das tun sie ganz bestimmt. Aber ich habe gelernt, dass, auch wenn man noch so viel Geld verdient, man aber in seinem Tun keinen Sinn mehr findet, es auch nicht (mehr) glücklich macht. Zumindest war das damals bei mir der Fall. Ich habe alles aufgegeben, um das Leben wieder neu zu finden. Nach meiner Rückkehr habe ich eine neue Ausbildung und einen ganz neuen Job gestartet. Dieser Job gibt mir heute wieder Sinnhaftigkeit in meinem Leben.

Ich arbeite in meiner eigenen Praxis mit Paaren und Kindern in Trennungssituationen, halte Seminare zu den Themen „Beruf, Berufung und Lebenssinn“ und habe nach 20 Jahren sozialer Arbeit heute mit Große Helden. Kleine Helden ein Social-Start-up-Unternehmen gegründet, weil mich diese Arbeit einfach mit Sinn erfüllt. Und weil es mir ein Anliegen ist, die Welt der Gegensätze als Ganzheit zu begreifen. Teil dieses großen Projekts ist die Bewusst-Seins- & Kreativwerkstatt, wo wir in Seminaren, Workshops und Retreats  Achtsamkeit, Respekt und Wertschätzung für uns selbst und andere sowie für die uns umgebende Welt ins Zentrum stellen.

Die Häute der Zwiebel

Wenn die Richtung im Leben privat und beruflich stimmt, dann stellt sich alles Andere, dann stellen sich Erfolg und auch das Geld von allein ein. Aber nur dem Geld nachzulaufen, darin sehe ich keinen Sinn. Schade um die wunderbaren und kostbaren Talente und Fähigkeiten, die oft in uns stecken und nur darauf warten, entdeckt zu werden. Es ist im Leben wie mit einer Zwiebel. Wenn man sie Schicht für Schicht häutet, dann dringt man zu einem besonderen Schatz vor – zu etwas Köstlichem, Scharfem, Gesundem – etwas, das dem Leben Würze gibt.

Join us: Hast du Lust, mehr über dich selbst zu erfahren? Möchtest du dich mit anderen Menschen austauschen? Oder möchtest du einfach auch nur Zeit mit dir selbst verbringen? Wir von Große Helden. Kleine Helden bieten vielfältige Workshops, Seminare, Retreats, Meditationen und Trainings an – noch etwas Geduld, unser vielfältiges Seminarprogramm zum Thema „die Lebendigkeit stärken“ stellen wir dir im neuen Jahr vor.

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